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DER PLAN – Wegbereiter der Neuen Deutschen Welle legen Alben neu auf

(MMB-intern) – Der Plan (Moritz R®, Frank Fenstermacher, Pyrolator) gelten als zentrale Wegbereiter der Neuen Deutschen Welle. Am 27. Juli veröffentlichen wir die ersten beiden Der-Plan-Alben “Geri Reig” und “Normalette Surprise”.

Auf ihrem Debütalbum „Geri Reig“ (1980) revolutionierten sie den Synthiepop: mit minimalen Mitteln produzierte, teilweise experimentelle elektronische Musik, verspielt und mitunter dilettantisch anmutend, und immer mit Humor.

Mit ihrem zweiten Album „Normalette Surprise“ wandeln sie weiter auf den experimentell-elektronischen Spuren des Debütalbums „Geri Reig“, sind aber etwas zugänglicher und noch deutlich verspielter.

„Geri Reig“ ist das Debütalbum des Plans, wenn auch nicht dessen erste Veröffentlichung. Vor „Geri Reig“ erschien bereits eine EP, welche mittels eines Diktiergerätes aufgenommen wurde, auf deren Wiederveröffentlichung man aber heute keinen Wert legt. Man gab sich den Namen „Weltaufstandsplan“ und verkürzte diesen später zu dem inzwischen schon fast ikonischen „Der Plan“. Warum eigentlich „Der Plan“? „Ein Begriff, der etwas zu tun hat mit der Fähigkeit der Menschen, zu denken und seine Zukunft zu bestimmen“, erklärte Plan-Mitglied Moritz Reichelt alias Moritz R® einmal.

Der Plan bestand damals aus Moritz Reichelt, Frank Fenstermacher, Robert Görl (später DAF) und Chrislo Haas (später DAF, Liaisons Dangereuses). Die Musik war ein bedrohlicher, fragmentarischer Noiserock, noch mit Gitarre und Schlagzeug, jedoch schon sehr weit weg von jeder damals üblichen Art von (Rock-)Musik. Mit Görl und Haas verließen nach den Aufnahmen der EP Gitarre und Schlagzeug den Plan. Dafür neu mit an Bord: Kurt Dahlke alias Pyrolator. Mit dieser Besetzung wurde „Geri Reig“ in Reichelts Büro in Düsseldorf mittels einer Zweikanal-Bandmaschine aufgenommen.

„Geri Reig“ ist ein Punk-Album im eigentlichen und im besten Sinne. Neu, bedrohlich und gleichzeitig humorvoll. Während ansonsten unter „Punk“ eingetütete Bands dieser Zeit eine schnellere und härtere Variante vom Rock and Roll der 50er Jahre oder vom Garagen-Rock der 60er Jahre spielten, verzichtete Der Plan, nicht unähnlich wie einer Handvoll anderer Bands dieser Zeit, etwa die Residents oder Throbbing Gristle, nicht nur auf die althergebrachten Songstrukturen, sondern gleich auf das ganze olle Instrumentarium. Das ist ja wohl Punk!

Zu einem ausgeprägten Widerwillen gegen Rockmusik und den damit verbundenen Klischees gesellte sich der Wunsch, etwas Eigenes zu machen. Und „Geri Reig“ ist eigen: Fragmente und Songs, kratzig und fragil, Melodien und Störgeräusche, in den Vordergrund gemischte Ambientsounds. Klingt in der Theorie gut und ist – das trifft ja in den seltensten Fällen zu – auch in der Praxis hervorragend. Doch es kommt noch besser: Das Album kam sehr gut an. Moritz R®: „Es war, als ob alle darauf gewartet hätten.“ – „Die Welt ist schlecht“? Nicht immer!

Tracklisting:
1. Adrenalin lässt das Blut kochen
2. Geri Regi
3. Persisches Cowboy Golf
4. Gefährliche Clowns
5. Kleine Grabesstille
6. Der Weltaufstandsplan
7. Hans und Gabi
8. Commerce extérieur mondial sentimentale
9. Was ich von mir denke
10. San José Car Muzak
11. Erste Begegnung mit dem Tod
12. Ich bin schizophren
13. Nessie
14. Gefährliche Clowns (manisch-idiotisch)
15. Die Welt ist schlecht

Bonus:
16. Es piept
17. Fürstenwall
18, Intermezzo
19. Dark Porn
20. Heinz, komm zum Feuer
21. Money Honey

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„Normalette Surprise“ ist das zweite Album des Plans und erschien 1981, ein gutes Jahr nach dem Debüt „Geri Reig“. Man hört sofort, dass es sich um ein Plan-Album handelt, und doch finden sich auf „Normalette Surprise“ einige, nun ja, Überraschungen. Die erste Nummer, „Leb Doch“, ist ein hervorragender Popsong. Man kann viel (Gutes) über „Geri Reig“ sagen, aber ein Popsong findet sich darauf nicht. „Leb Doch“ besticht durch seinen harten Rhythmus, seinen unterkühlten Gesang und seinen deutschen Text. Moment mal, harter Rhythmus, unterkühlter Gesang, deutscher Text? Genau, der Plan hatte hier die Blaupause für das geschaffen, was kurze Zeit später die „Neue Deutsche Welle“ werden sollte. Obwohl Blaupause etwas harmlos klingt. Eigentlich war es mehr eine Art Urknall.

Und noch etwas Neues. Beziehungsweise etwas Altes. Bizarrerweise wurde der Plan von ihren amerikanischen Künstlerfreunden, unter anderem von dem umstrittenen Vortragskünstler Boyd Rice, in die erstaunliche Welt des deutschen Schlagers eingeführt. Ein buntes, absurdes
Universum galt es von nun an zu erforschen. Deutlichste Spuren dieser neuen Passion auf „Normalette Surprise“: „Kleine Schlager Revue“ und „Sie hat mich verlassen“. Und so findet sich auf „Normalette Surprise“ alles, was später zum Markenzeichen sowohl des Plans als auch des Labels Ata Tak werden sollte: Elektronik und Schlager, Noise und Pop. Und dem Plan gelang, was die Protagonisten von Anfang an wollten und was nur den wenigsten gelingt: etwas Eigenes.

Tracklisting:
1. Leb doch
2. Renate
3. Meine Freunde
4. Sie hat mich verlassen
5. Pausen-Sassa
6. Wenn der Sonne ist verblüht
7. Kleine Schlager-Revue
8. Frl. Nicol
9. Ich bin ein Komputer
10. Robot-Bolero
11. Generäle essen gerne Erdbeereis
12. Das Insekt
13. Wat’s dat?
14. 4 Stapfen im Schnee
15. Zurück in die Atomsphäre

Bonus:
16. Da vorne steht ne Ampel
17. Rot Grün Tod
18. Einfachheit, Brot, Klarheit, Liebe, Tod
19. 8 1/2 B
20. Der Regen tropft
21. Es ist das Glück
22. Film Noir 1979
23. Rosarote Schweinchen

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Plan

Bureau B


Post Author: MMagazin

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