Klasse! PAUL CARRACK und das ROYAL PHILHARMONIC ORCHESTRA


Paul Carrack ist kaum mehr wiederzuerkennen. Das liegt weniger daran, dass der englische Sänger und Songwriter auf dem Coverphoto seines neuen Albums „A Different Hat“ tatsächlich eine andere Kopfbedeckung als sonst trägt, näm lich einen jener Trilbys, die durch Frank Sinatra zum Markenzeichen einer ganzen Jazz-Ära wurden.
Vielmehr sind es die superben Arrangements des Royal Philharmonic Orchestra, die den wie in Samt und Seide ausgestatteten Songs eine perfekte Umgebung bieten, in der Paul Carrack als feinsinniger Interpret intimer Balladenkunst aufblüht und von einer völlig unbekannten Seite zu entdecken ist. Paul Carrack ist mit seinem 15. Soloalbum fürwahr ein zeitlos schönes Werk gelungen, das sein Freund, der  Van-Morrison-Drummer Peter Van Hooke, ebenso einfühlsam wie souverän produziert hat.
In den letzten Jahren hat Paul Carrack  auf der Bühne immer mal wieder Ausflüge ins Swingfach unternommen, unter anderem mit der SWR Big Band. Ein Album mit einem ganzen Orchester aufzunehmen, zudem mit dem renommierten Royal Philharmonic Orchestra, war gleichwohl eine besondere Herausforderung. Alle klanglichen Möglichkeiten dieses Orchesters auszuloten und dennoch warm und intim zu klingen, war das erklärte Ziel – oder wie Paul es ausdrückt: „I want to draw the listener in.“ Als Inspirationsquellen dienten ihm Joni Mitchells Album „Both Sides Now“  aus dem Jahre 2000 und Ray Charles’ Albumklassiker „Ingredients In A Recipe For Soul“ von 1963. Sowohl Mitchells Ansatz, ihre Songklassiker orchestral zu interpretieren, wie auch die Mischung von Balladen und Showtunes bei Ray Charles waren das, was Paul faszinierte und für sich umsetzen wollte.
Was auf Anhieb besonders auffällt, ist der für Paul Carrack ungewöhnlich erlesene Gesangsstil. Dazu Paul Carrack: „Nor malerweise singe ich sehr laut, aber meine Stimme klingt wesentlich reicher, wenn ich sie etwas zurück nehme. Wir haben auch festgestellt, dass meine Stimme facettenreicher klingt, je tiefer wir die Tonart wählten, womit wir auch eine unglaubliche Intimität erreichten. Eine andere Technik als sonst, viel schwerer zu singen – vor ein paar Jahren hätte ich das mit meiner Stimme nicht gekonnt. Man lernt eben nie aus.“ Das Album wurde in den Air Studios und in den berühmten Abbey Road Studios aufgenommen. Produzent Van Hooke verpflichtete seinen Freund David Cullen, der an zahl reichen Musicals von Andrew Lloyd Webber und auch schon für Disney arbeitete, die Songs für das Royal Phil harmonic Orchestra neu zu arrangieren. Paul Carrack sang wie immer seine Parts live ein und so wurde „A Differ ent Hat“ tatsächlich in nur vier (!) Sessions eingespielt.
Die zwölf Songs, denen Paul Carrack und das Royal Philharmonic Orchestra atemberaubende Tiefe und cineastischen Glanz verleihen, hat der Sänger persönlich ausgewählt – und dabei manchen Song wieder ganz neu entdeckt. Der Opener, I Think It’s Going To Rain Today von Randy Newman, ist ohnehin einer seiner All-Time-Favorites. „Tat sächlich hat Peter den Song vorge schla gen und da musste er mich nicht zweimal bitten!“ Hinzu kommen Songs, die von klang vollen Namen wie Nat King Cole, Edith Piaf, Bonnie Raitt, Gerry & The Pacemakers, Peggy Lee und The Eagles geprägt wurden sowie einige Songklassiker aus Pauls Carracks eigenem Repertoire wie etwa das unverwüstliche Eyes Of Blue. Das Album enthält zudem eine neue Interpretation des Evergreens Moon River.  Carrack war sich durchaus bewusst, welche Schwierigkeiten die Interpretation eines so oft interpretierten Songs mit sich bringt, aber seine Version fügt sich nahtlos in ein Album ein, dessen galant majestätischer Flow einfach Klasse und Stil hat. Kurzum, „A Different Hat“ ist ganz großes Kino.
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Post Author: MMagazin

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