Zehn Jahre Annett Louisan – Zu viel Information

(MMB-intern) – Zehn Jahre ist es jetzt, da hatten wir Annett Louisan zusammen mit dem Hamburger NDR “entdeckt”. Bzw. der NDR hat uns auf Annett Louisan mit dem Song Das Spiel aufmerksam gemacht. Und damals gleich gegoogelt – und fast nichts über Annett Louisan gefunden. Aber schnell einen kleinen Artikel eingepflegt. Und was geschah? Die ersten Wochen war unser Artikel der Anlaufpunkt für die entstehende Annett Louisan Fangemeinde. Bis zu 25.000 Besucher hatten wir täglich auf der Artikelseite und verkauften sage und schreibe über 1.000 CDs über Amazon direkt über unsere Seite. So einen Erfolgsartikel haben wir leider nie wieder geschafft, das ist echte Glückssache. Wer die damaligen Ereignisse nochmal nachlesen möchte, findet hier immer noch unsere alten Annett Louisan Artikel.

Die Zeit rast. Zehn Jahre? Nicht mehr als ein Wellenschlag im Fluss der Zeit. Doch es gibt Menschen, die machen aus flüchtigem Wildwasser einen langen, ruhigen Fluss. Annett Louisan ist genau dieses Kunststück gelungen. Vor zehn Jahren erschien ihr erstes Album. „Bohème“. Und mit der Magie ihrer feenhaften Stimme, ihrem Charisma und der ungeheuren Wirkung, die sie auf die deutschsprachige Musikszene hat, muss man die Kürze der Zeit ernsthaft in Frage stellen. Denn in der musikalischen Rückschau war Annett Louisan irgendwie immer da. Deutsche Popmusik ohne Annett Louisan? Im Grunde nicht vorstellbar. Trotzdem: 2014 ist tatsächlich erst ihr Zehnjähriges, und zur Feier des Jahres gibt’s ein neues Studioalbum, das sechste. Titel: „Zu viel Information“

15 Songs mitten aus der zauberhaften Welt der Annett Louisan. Vieles ist überraschend anders, vieles wohltuend typisch Annett. Und alles auf diesem Album durchströmt eine pulsierende Leidenschaft für kleine und große Geschichten und Gefühle, die sowohl tief empfundenes, ehrliches Pathos als auch anarchische Respektlosigkeiten zulassen. Von geistreichen Alltagsbeobachtungen über freche Flirts mit zwischenmenschlichen Katastrophen bis hin zur dunkelsten Melancholie.

Annett Louisan macht Schweres leicht und Leichtes schwer. „Wenn ich die Annett von vor zehn Jahren treffen könnte, würde ich versuchen, ihr ein bisschen von der Lässigkeit zu geben, die ich heute habe“, sagt die Musikerin. Sie könne ihre Stimme heute viel bewusster einsetzen. „Ich habe endlich ganz konkrete Vorstellungen von Klängen und der Dramaturgie eines Songs. Darüber bin ich sehr glücklich.“

Umgesetzt hat sie diese Vorstellungen mit langjährigen musikalischen Weggefährten, wie Frank Ramond, Danny Dziuk oder Hardy Kayser. Sie erweiterte ihr kreatives Team durch Stephan Piez, Marcus Brosch und Tobias Neumann. Produziert wurde das neue Album schließlich von dem kanadischen Singer Songwriter Martin Gallop.

Annett Louisan und er waren einmal ein Paar. „Heute sind wir sehr gut befreundet“, sagt sie. „Martin hat mich während der vergangenen beiden Jahre musikalisch intensiv begleitet. Er weiß, wie ich klingen möchte.“ Und wie sie klingt! Gleich zu Beginn des Albums entfaltet sich die leise hingetupfte und doch unverwechselbare Magie dieser großen kleinen und stillen Stimme in der
mit wohligem analogem Rauschen unterlegten Miniatur „Stars“, lebensklug die Vergänglichkeit von Ruhm und Glamour betrachtend. Es sind die Stardust Memories einer Künstlerin, die zehn Jahre nach ihrem Debüt zurückschaut und nach dem von melancholischen Streicherakkorden offenen Schluss das Tempo anzieht, um dann im nächsten Song, „Besonders“, einfühlsam eine offenbar komplizierte Vater-Mutter-Kind Geschichte zu erzählen. Was folgt, sind auf der Grundlage unterschiedlichster Genres musikalisch wie sprachlich erfrischend eloquent entworfene Szenen des Lebens und der Liebe. Die swingende Beiläufigkeit von „Das Nichtgesagte“, der Folk-Appeal von „Alles erledigt“ oder die von einem feuchtfröhlichen Honky-Tonk-Piano
angetriebene Selbstanalyse „Ronny & Jonny“ mit einer Künstlerin im scheinbar autobiografischen Jekyll und Hyde Modus das Album schlägt einen weiten Bogen
und ist doch immer zu 100 Prozent Annett Louisan pur.

Nicht zuletzt das Titelstück „Zu viel Information“ trumpft temporeich und selbstbewusst auf: eine musikalisch-humoristische Abschottung vom Wahnsinn der alltäglichen Belanglosigkeit. Dass man kleine Dinge auch ganz groß rausbringen kann, zeigt sie in „Dein Ding“. Selbstverständlich im doppelten Wortsinn. Hier spielt sie lustvoll mit den Möglichkeiten des elektronischen Hinterhalts im Zeitalter sozialer Netzwerke: „Ich hab dein Ding gepostet / Aber keinem gefällt’s“. Das ganze Dingeling im nostalgischen Sepia Sound einer witzigen Rock’n’Roll- Reminiszenz zu
präsentieren, macht den Song zu einem weiteren kleinen Meisterwerk des gehobenen Klamauks. Doch es gibt auch die andere Seite: mit ihren nachtschwarzen Balladen voller poetischer Schwermut und ungeschminkter Wahrheit, in denen Annett Louisan so behutsam wie direkt emotionale Grenzbereiche auslotet. So gestaltet sie in „Du fehlst mir so“ Liebeskummer auch für Menschen über 30 als existenzielle Erfahrung. Höchst eindrucksvoll und ernsthaftig ergreifend gelingt ihr auch eine berührende Versi
on des ebenso starken wie traurigen Hildegard Knef- Titels „Papillon“.

Anderthalb Jahre lang hat Annett Louisan gemeinsam mit Martin Gallop, mit verschiedenen Autoren und Musikern an „Zu viel Information“ gearbeitet. So lange wie an keinem Album zuvor. Doch was ist Zeit? Der Fluss zerfließt im Meer. Und die Stimme von Annett Louisan hört man aus dem Auf und Ab, dem Kommen und Gehen der Wellen heraus. Denn Annett Louisan war irgendwie immer schon da. Seit zehn Jahren. Und im Blick zurück sind es garantiert viel mehr.

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